Freitag, 6.1.12
- Beijing ÜN Beijing
- 10:03 Ankunft Beijing
- Sightseeing Gugong, Shopping Silkmarket
- ÜN: Beijing Dong Fang Hotel***, No.11 Wan Ming Raod, 100050 Beijing
- Tel: 00861063014466, Fax:00861063044290
- www.bjdongfanghotel.com.cn
17.1O Uhr
Im Pekinger Hotel angekommen. Die Zimmer sind bezogen, und natürlich freuen wir uns, nach der Nacht im Zug jetzt wieder in einem komfortablen Umfeld nächtigen zu dürfen. Wobei auch die Zugfahrt auf engem Raum durchaus ihre Reize hatte. Ein Hauch von Abenteuer halt. Und das Orchester ist inzwischen so aufeinander eingespielt, dass auch Enge, Schnarchgeräusche oder gewöhnungsbedürftige Toiletten (ab damit auf die Gleise) der allgemeinen Harmonie nichts anhaben konnten.
Um 22.OO Uhr gehe das Licht aus, hatte Peter Wiedehage angekündigt. Ganz so ernst nahmen wir das nicht, aber tatsächlich: um 22.OO Uhr erloschen alle Lichter und manche Zugparty fand ein jähes Ende. Jeder versuchte sich so gut wie möglich einzurichten. Einige habe so viele Stunden am Stück geschlafen wie lange nicht, anderen fiel es etwas schwerer, sich auf die Gegebenheiten einzustellen, aber gut angekommen sind wir letztlich alle.
Es ist verdammt kalt geworden, die Temperaturen liegen auch tagsüber deutlich im Minusbereich. Deshalb zogen wir zur Besichtigung der verbotenen Stadt alles an, was der Koffer an warmen Sachen so hergab. Eine beeindruckende prunkvolle Palastanlage.

23.48 Uhr
Heute Abend gab es Rollentausch. Diesmal saßen nämlich wir im Publikum und bestaunten die Darbietungen auf der Bühne, winterlich dick eingepackt übrigens, denn auch die Akrobatik-Vorstellung, die wir besuchten, war mehr oder weniger unbeheizt. Dennoch war es ein faszinierender Abend. Die Leichtigkeit, mit der die Akrobaten selbst die irrwitzigsten Kunststücke umsetzten, beeindruckte uns sehr. Die Gesetze der Schwerkraft schienen außer Kraft gesetzt zu sein. Was die Künstler mit Hüten, Vasen, Diabolos oder runden Podesten anzufangen wussten, war atemberaubend und erinnerte zugleich schmerzlich daran, wie wenig man selbst die Möglichkeiten des eigenen Körpers auszureizen versteht.
Danach: Abendessen, und inzwischen sind wir wieder im Hotel, einem der ältesten westlichen Hotels Peking mit fast 100jähriger Tradition, was für chinesische Begriffe eine halbe Ewigkeit ist.
7.1.2011, 19.21 Uhr
Elend schlechte Verbindung. Über eine halbe Stunde probiert, jetzt bin ich endlich drin und kann den vermutlich letzten Bericht live aus China zu Euch nach Deutschland rübersenden (hoffentlich klappt das). Eigentlich müsste er auf eine eigene Seite, aber die existiert leider nicht.
Wieder waren wir früh unterwegs. Um 8.30 Uhr brachen wir auf, um zur chinesischen Mauer zu fahren. Warm verpackt, versteht sich. Der Verfasser dieser Zeilen z.B. zog noch einen weiteren Pullover drüber. Andere testeten die Wärmkraft original chinesischer Armeemützen oder aber die Karnevalsvariante: eine Mütze in Form eines Pandabärs. Insgesamt war es etwas milder als gestern; einige Schneeflocken mischten sich in die Luft, und vorsichtshalber fuhr der Bus etwas langsamer als sonst.
Die chinesische Mauer gehört zu den Bauwerken, die man einfach nur bestaunen kann. Ein gewaltiges System von kunstvoll errichteten Verteidigungsmauern, insgesamt 5000 km lang, erbaut von bis zur 1 Million Arbeiten gleichzeitig, und dies vor vielen vielen hundert Jahren. Wie haben die Menschen das damals bloß hinbekommen, ohne nennenswerte technische Hilfsmittel und ohne moderne Baustoffe?
Auf der Rückfahrt um die Mittagszeit dann der Fluch des Großstadtlebens: Stau. Nichts ging mehr, und entsprechend lange brauchten wir, um in die Stadt wieder hinein zu fahren. Danach trennten sich die Wege:
die einen wagten sich in "Hölle" des Silkmarkets, einer riesigen Halle, in der alles verkauft wird, was nicht niet- und nagelfest ist, u.a. viele Raubkopien bekannter Markenprodukte. iPods, iPads, Rolex-Uhren, Klamotten mit den Emblemen bekannter Hersteller, Schuhe, Taschen, einfach alles. Kein Markt zum Bummeln, sondern einer, in dem für unsere Verhältnisse sehr aggressiv und aufdringlich verkauft wird.
Für die Zartbesaiteteren unter uns gab es eine andere Variante: Spaziergang auf der sogenannten Linoleumstraße, mit mindestens 30 Läden, in denen Musikinstrumente verkauft wurden, kleinen Galerien mit kalligraphischen Kunstwerken sowie mehreren großen Buchhandlungen.
Die Powertypen unter uns haben beides gemacht oder waren froh über die Möglichkeit, mal aus der Gruppe ausbrechen zu können und sich mit dem Taxi in irgendeinen Winkel der Stadt fahren zu lassen, der als Geheimtipp die Runde machte.
In wenigen Minuten beginnt das letzte gemeinsame Abendessen. Schade, dass unser gemeinsames China-Abenteuer jetzt vorbei ist. Aber wir haben die Tage hier in vollen Zügen genossen, sind dankbar, dass alles so prima funktioniert hat, und fahren morgen um viele Eindrücke reicher nach Hause zurück.
8.1.2011, 23.32 Uhr (deutscher Zeit)
Wow, ist die Internetverbindung schnell. Und auch sonst ist es schön, nach der langen Rückreise jetzt wieder zuhause zu sein. Glücklicherweise war das Flugzeug diesmal besser ausgestattet als auf dem Hinflug. Eng war es zwar diesmal auch, aber die Sitze waren irgendwie bequemer, und cool war auch, dass jeder seinen eigenen Bildschirm hatte und dort individuell sein eigenes Programm gestalten konnte mit Videos, Musik oder kleinen Spielen. Zu behaupten, dass die Zeit wie im Fluge vergangen sei, wäre dann vielleicht bei über 12 Stunden doch etwas übertrieben, aber immerhin verstrich sie insgesamt schneller als beim ersten Mal.
Gleich ist die erste Nachtruhe im eigenen Bett angesagt, und dann hat uns der Alltag wieder.
4 Kommentare
09.01.2012
23:15
Ilka
Wie herrlich, dass ich diese Reise miterleben durfte - und nun zu Hause endlich alles lesen konnte, was wir erlebt haben - Dank an Christoph, der trotz der schlimmen Internetbedingungen in diesem gegensätzlichen Land unsere Lieben daheim mit seinen schönen Kommentaren beruhigt hat. Dank an die tolle Organisation, insbesondere an Kati Weidmann und Professor Peter, der uns den chinesischen Flummi als Reiseleiterin geschenkt hat. Nichts wurde dem Zufall überlassen und alle sind wohlbehalten angekommen. Ich bin überwältigt von diesem Jahresanfang. Und alle sind sich einig: Die nächste Konzertreise geht nach Südamerika....ich freu mich drauf - Kati macht das schon....
09.01.2012
15:54
Helmut
Schon beim Ausstieg aus dem Zug schwante mir, daß mein Haustürschlüssel vermutlich unbemerkt in einem der letzten Hotelzimmer in China aus meiner Geldbörse auf den weichen Teppich gefallen war. Hätte man doch besser verstauen sollen. Zum Glück hatte die Nachbarin noch einen Schlüssel, so daß ich die Chinareise ohne größere Aufregung abschließen konnte und meine Katze freut sich, daß ich wieder da bin :-) .
06.01.2012
15:54
A.H.
Herzlichen Glückwunsch zur erfolgreichen Konzertreise. Geniesst die letzten freien Tage und kommt alle wieder gesund heim.
05.01.2012
15:57
Tobias
Ganz herzliche Grüße an meinen absoluten Lieblingsgeiger! ;-) . Ich hoffe, alle Mitwirkenden haben die beschwerliche Zugreise wohlbehalten überstanden. Es war ja vermutlich wärmer, als in der letzten Konzerthalle! Nun einen schönen Aufenthalt in Beijing und unvergessliche (schöne) Momente!